Wenn einer eine Reise tut – oder fünf, in unserem Fall

„Die Tage vor dem Urlaub und nach dem Urlaub sind der pure Stress.“ Diese Aussage habe ich schon öfter gehört und mir vorgenommen, es nicht so weit kommen zu lassen. Natürlich ist es viel Arbeit, für drei Kinder und mich selbst Koffer zu packen – der Herr des Hauses packt seine Sachen glücklicherweise selbst. Und das Haus muss ebenfalls vorbereitet werden, die Nachbarn informiert, der Kühlschrank ausgeräumt werden. Trotzdem möchte ich vermeiden, dass ich zu Beginn des Urlaubs fix und fertig bin und bei der Heimkehr die ganze Erholung wieder dahin ist. Das darf doch nicht die zwingende Folge des Sommerurlaubs sein, oder?

Inzwischen habe ich nun schon ein paar Jahre Erfahrung darin, zuerst für mich und ein Kind, dann für mich und zwei Kinder, inzwischen für eben für vier Personen zu packen. Dabei habe ich so einiges gelernt, dass es mir von Mal zu Mal leichter macht.

Zuerst ist, wie in so vielen andere Dingen auch, Planung alles. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Urlaub für uns umso erholsamer ist, je kinderfreundlicher die Umgebung und das Programm ist. Am einfachsten ist es bei schönem Wetter am Meer, dann brauchen die Kinder nur eine Decke und ein paar Sandspielsachen, zwischendurch etwas zu essen und zu trinken und schon sind sie für Stunden glücklich. Wir fahren aber auch gern in die Berge, wo wir kleine Wanderungen zu Almen oder Ausflüge zu für Kinder interessanten Zielen unternehmen. Dabei finde ich es sehr angenehm, wenn die Unterkunft vor Ort eine entsprechende Ausstattung hat. Wir haben das große Glück, den Urlaub in einer Ferienwohnung verbringen zu dürfen, die diverse Utensilien für die Kinder bereit hält. Babybadewanne, Kinderhochstuhl, Wickeltisch und Babybettchen gehören dazu. Auch finde ich es praktisch, wenn ich für die Ferienwohnung keine Bettwäsche und Handtücher mitnehmen muss und wenn wir im Optimalfall sogar noch eine Waschmaschine haben. Das sind alles Erleichterungen fürs Packen und spart Zeit und Energie in der Vorbereitung und auch hinterher, wenn diese Dinge nicht zu Hause wieder gewaschen und an Ort und Stelle zurück geräumt werden müssen. Es gibt aber auch Familien, die problemlos weitere Reisen unternehmen, im Hotel übernachten, ohne dass sie Sorgen haben, dass die Kinder zu laut sein könnten. Die auch die Anreise mit dem Flugzeug trotz kleinerer Kinder auf sich nehmen, ohne dass es sie stresst. Jede Familie sollte sich das gut überlegen, was sie im Urlaub gern erleben würde und wie stressresistent sie ist. Manch einem ist Sandburgen Bauen an der Nordsee oder Wandern in den Bergen nicht genug. Wir freuen uns wieder darauf, größere Reisen zu unternehmen, wenn die Kinder älter sind und sich auch nach einiger Zeit noch an eine solche Reise erinnern können. Bis dahin ist für uns der Urlaub umso entspannter, wenn auch die Kinder entspannt sind.

Wenn der Urlaub dann langsam näher rückt, mache ich mir diverse Pläne und Listen. Ich mag es, wenn die Wäsche einigermaßen organisiert ist. Auch wenn ich versuche, nur das Nötigste mit in den Urlaub zu nehmen, nehme ich mir doch vor, unseren Wäscheberg abzuarbeiten, damit mich nicht zu der Urlaubswäsche auch noch einen Haufen Dreckwäsche aus den Wochen vor dem Urlaub erwartet. Da ich am Tag nicht mehrere Maschinen nacheinander waschen kann – so viel Platz auf der Wäscheleine habe ich nicht und zeitlich schaffe ich es auch nicht, mehrere Körbe Wäsche zusammen zu legen oder zu bügeln und wegzuräumen – mache ich dafür einen Plan. Zwei Tage vor der Abreise wasche ich die letzte Maschine 60°C – Wäsche, am Tag davor dunkle Wäsche, vier Tage vor der Abreise helle Buntwäsche. Dann kann ich jeden Tag neben dem normalen Haushalt und der Betreuung der Kinder, die bereits Sommerferien hatten, „schnell ein bisschen“ Wäsche machen.

Außerdem mache ich mir inzwischen zwei verschiedene Packlisten: eine Liste für meine Kleidung und eine für den ganzen Klimbim, den wir mehr oder weniger für die ganze Familie brauchen. Letztere habe ich schon öfter gemacht, die Liste für meine Kleidungsstücke mache ich erst seit den letzten beiden Reisen und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich schaue einige Tage vorher bereits auf die Wettervorhersage, auch wenn sie dann noch nicht ganz zuverlässig ist. Es erlaubt mir aber immerhin eine grobe Vorstellung davon, ob mich kühles Sommerwetter mit Dauerregen oder tendenziell eher eine Hitzewelle erwartet. Dann überlege ich mir, was wir im Urlaub vorhaben. Welche Aktivitäten wir planen, wo wir essen gehen werden, ob wir ausgehen und welche Kleidung ich dafür benötige. Wer mit Kindern reist, braucht eigentlich schmutzresistente, robuste Kleidung. Zum Wandern mal erst recht. Wenn wir tatsächlich eine Waschmaschine vor Ort haben, stellt der Herr des Hauses meist am Tag vor der Abreise die Gretchen-Frage: „Wann machen wir die erste Maschine Wäsche?“ Man beachte das „Wir“ in der Frage! Entsprechend brauchen wir nicht für den gesamten Urlaub frische Wäsche und können auch das eine oder andere Malheur der Kinder schnell beseitigen. Das lässt uns mit relativ leichtem Gepäck reisen.

In früheren Zeit hatte ich immer das Gefühl, unbedingt jenes Buch, diese Handarbeit oder was auch immer für eine mögliche Zerstreuung vor Ort mitnehmen zu müssen. Wenn man mit Kind(ern) verreist, ist dafür meistens sowieso keine Zeit. Und wenn doch, gibt es immer diverse Möglichkeiten, sich Bücher, Zeitschriften, Spiele vor Ort, bspw. im Hotel oder in der Ferienwohnung, auszuleihen. Meistens war das jedoch nicht nötig. Wie schön ist es, einen Moment Zeit zu haben, den Blick auf die Berge, das Meer oder wohin auch immer zu genießen? Den Augenblick auf sich wirken lassen?

Übrigens war ich lange Zeit der Meinung, der Urlaub, auf den ich so lange gewartet und buchstäblich hingearbeitet habe, müsste dann auch gefälligst perfekt sein. Und wenn das dann nicht so war, war ich wirklich enttäuscht, traurig oder verärgert. Auch das habe ich inzwischen grundlegend geändert – und das eigentlich unabhängig von der Tatsache, ob wir mit Kindern verreisen oder nicht. Ja, auf den Urlaub habe ich mich auch jetzt noch lange vorbereitet. Die Vorfreude ist nicht kleiner als vor ein paar Jahren. Trotzdem erlebe ich den Urlaub ganz bewusst anders. Es muss nicht perfekt sein. Habe ich etwas vergessen? Egal, wenn ich es wirklich dringend brauche, muss ich es mir eben kaufen. Meistens benötige ich es aber gar nicht und es wird auch so ein gelungener Urlaub. Das Wetter ist nicht so, wie ich mir das gewünscht hätte? Darauf habe ich ohnehin keinen Einfluss. Wir können bei jedem Wetter etwas Schönes unternehmen. Es ist eine wunderbare Zeit mit der ganzen Familie. Im Alltag kommt die gemeinsame Zeit immer irgendwie zu kurz. Jetzt haben wir die Zeit für- und miteinander, also machen wir etwas daraus.

Daher meine größte Empfehlung für deinen nächsten Urlaub – vielleicht steht ja noch einer an im Herbst oder Winter (ansonsten: der nächste Sommer kommt bestimmt.): Genieße den Urlaub. Lass dich nicht stressen, weder von den Vor- noch den Nachbereitungen. Ärgere dich nicht über Unwägbarkeiten oder böse Überraschungen. Die kleinen Ärgernisse sind ja normalerweise eigentlich keine große Sache, sofern nicht jemand ernsthaft krank wird oder einen Unfall hat. Den Urlaub kannst du nicht wiederholen, diese Zeit kommt nie wieder. Also schnapp die deine Liebsten und lasst es euch gut gehen. Mach das, wozu du im Alltag nicht kommst. Es muss nicht alles perfekt sein, es ist auch so schön. Verwöhne dich und nimm den Urlaub wirklich als eine Zeit der Erholung, in dem du schöne Erinnerungen sammelst und für den Alltag neue Kraft tankst. Und weißt du was? Wenn du mit dieser Einstellung in den Urlaub fährst, dann wird er auch wunderbar – ganz bestimmt.

Alles Liebe und viel Freude in deinem nächsten Urlaub,

Pippa