Viel zu tun – wenig Zeit

Geht es euch manchmal auch so, dass ihr euch fragt, wie andere Menschen ihr tägliches Pensum organisiert bekommen? Ich stelle mir diese Frage durchaus gelegentlich. Besonders in den Zeiten, in denen mir meine Aufgaben wie Unkraut besonders wild über den Kopf wachsen und andere so wahnsinnig gelassen wirken.

Mit der Wahrnehmung von Zeit und Stress ist das so eine Sache: Manchmal hat man ganz entspannt das Gefühl „Läuft!“, auch wenn längst nicht alle Aufgaben erledigt sind und auch nicht für alles, was man eigentlich tun möchte oder müsste, genug Zeit bleibt. Trotzdem ist man mit dem zufrieden, was man geschafft hat, und bleibt gelassen.

Und dann gibt es wiederum Zeiten, in denen der Tag am besten 48 Stunden hätte. Man arbeitet und arbeitet und trotzdem werden die Aufgaben nicht weniger. Ich fühle mich dann immer wie eine Ertrinkende: Ich strampele mit Armen und Beinen und schaffe es mit höchster Anstrengung gerade so, über Wasser zu bleiben.

Nach meiner Erfahrung spielt es dabei kaum eine Rolle, ob man sich, so wie ich momentan, hauptberuflich um seine Familie kümmert oder ob man Vollzeit berufstätig ist. In der Zeit meiner Vollzeitarbeit vor den Kindern ging es mir ähnlich wie jetzt – auf einigermaßen entspannte Zeiten folgten wieder besonders stressige Phasen. Aber inzwischen habe ich einiges gelernt, wie ich mit solchen Phasen umgehen und sie einigermaßen unbeschadet überstehen kann.

  1. Ruhig bleiben. „Wenn du eilig hast, geh langsam.“ Eigentlich eine Binsenweisheit, aber gerade in stressiger Zeit so schwer umzusetzen. Wenn es mir aber trotzdem gelingt, hilft es mir nicht nur in der Wahrnehmung. Jeder, der Kinder hat, weiß, wenn Mama oder Papa hektisch werden, stellen die Kinder auf stur. Auch Erwachsene im Umfeld lassen sich von Hektik und Unruhe anstecken, reagieren ungehalten oder werden fahrig. Wird es dann allzu viel, steckt man den Kopf in den Sand und kapituliert: „Ich schaffe das ohnehin nicht, hat ja doch alles keinen Sinn.“ Deshalb erst einmal durchatmen und versuchen, ruhig zu bleiben.
  2. Listen erstellen. Jaja, das gute, alte Listen Schreiben. Lange Zeit habe ich versucht, die zu erledigenden Aufgaben im Kopf zu behalten. Besonders wichtige Punkte habe ich auf kleine Zettel geschrieben und auf den Schreib- oder Küchentisch gelegt. Hat leider nur mäßig funktioniert. Die Hälfte der Punkte in meinem Kopf habe ich vergessen und von den Zetteln sind einige unter Briefen, gemalten Kinderbildern oder anderem Klimbim verschwunden. Jetzt schreibe ich mir für jeden Tag eine To do – Liste, und zwar mit all den Dingen, die zu erledigen sind. Dazu gehören auch vermeintlich unwichtige Aufgaben. Einerseits kann ich sie so wirklich nicht mehr vergessen. Sie stehen auf der Liste und ich erledige sind dann auch (meistens) brav. Und der zweite große Vorteil ist: ich kann sie buchstäblich abhaken. Wenn sie erledigt sind, setze ich ein Häkchen davor. Ich liebe diesen Moment. Aufgabe erledigt, Punkt Ende. Und am Abend, wenn ich die Liste nochmal durchgehe, sehe ich, was ich alles geschafft habe. Es gibt sicher noch Aufgaben, denen ich mich darüber hinaus widmen könnte, jedoch sind sie für einen anderen Tag vorgesehen. So kann ich zufrieden sein mit diesem Tag, weil ich all das geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe. Das verhindert das Gefühl, ich habe so viel gearbeitet und es sind dennoch so viele Dinge unerledigt. Natürlich ist es dafür notwendig, sorgfältig zu planen. Aber mal ehrlich, wir kennen uns selbst doch. Wir wissen, wie viel wir an einen Wochentag oder am Samstag/Sonntag normalerweise erledigen können. Und sollte mal etwas Unvorhergesehenes dazwischen gekommen sein, dann verschiebe ich die offenen Punkte eben auf morgen.
  3. Fokussieren, d.h. Prioritäten setzen. Oftmals beginne ich in stressigen Zeiten, mich zu verzetteln. Wenn ich heute kaum die Termine erledigen kann, die ohnehin feststehen, dann sollte ich nicht auch noch Wäsche waschen oder einkaufen gehen wollen. Meistens haben alle Familienmitglieder noch ausreichend saubere Wäsche im Schrank und der Kühlschrank ist bei uns niemals vollkommen leer. Also reicht es auch, den Einkauf und die Wäsche auf den nächsten Tag zu verschieben. Ebenso gilt das für größere Erledigungen. Wenn ich das Haus auf Vordermann bringen muss, weil sich mehrtätiger Übernachtungsbesuch angekündigt hat, oder wenn ein Kindergeburtstag vorzubereiten ist, dann kann die Steuererklärung auch noch ein paar Tage warten. In beiden Fällen muss man jedoch lernen, das zu akzeptieren. Ich neige gern dazu, mich darüber zu ärgern, dass bestimmte Dinge noch immer unerledigt sind, und das ist grundfalsch. Wenn ich entschieden habe, dass diese Arbeiten jetzt nicht notwendig sind, dann muss ich sie auch gedanklich abhaken. Morgen ist auch noch ein Tag.
  4. Notwendiges zuerst. Klingt wie der vorherige Punkt, meint aber etwas anderes. Es geht darum heute die zu erledigenden Aufgaben so zu ordnen, dass ich nicht mit dem unwichtigen Kram beginne, der sowieso wenig Zeit in Anspruch nimmt und nach einer halben Stunde schon denke: „Super, schon vier Punkte abgehakt, jetzt erstmal Pause.“ Und das Wichtigste, das „dicke Brett“ sozusagen, habe ich noch gar nicht gebohrt, um im Bild zu bleiben. Wenn mir eine Abgabefrist im Nacken sitzt, dann sollte ich mich heute zuerst darum kümmern. Die Wäsche kann warten. Auch die neuen Sportschuhe, die ich mir unbedingt besorgen wollte oder der Anruf bei Tante Trudi. Es sei denn, sie hat heute Geburtstag, dann sollte ich das so rasch wie möglich erledigen. Ich erstelle meine Liste in meinem Kalender und notiere mir die dringenden Aufgaben zuoberst. Wenn ich morgens in den Kalender schaue, was heute zu tun ist, gehe ich meistens chronologisch vor. Sollte dann im Laufe des Tages doch etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommen, kann ich ganz entspannt die noch offenen Aufgaben verschieben, weil ich das wichtige Dokument bereits fertigstellt und abgeschickt habe und so die Abgabefrist einhalten konnte.

Eigentlich würde ich als 5. Punkt wieder anfügen: Ruhig bleiben. Weil ich es so wichtig finde. Der Tag lief drunter und drüber? Von der Liste ist kaum etwas abgehakt, weil ein Krankheitsfall dazwischen gekommen, das Auto nicht angesprungen und die Waschmaschine defekt ist? Dann ist so viel zu tun gewesen, was zwar nicht auf der Liste stand, aber erst recht ein Schulterklopfen verdient hat. Sollten allerdings immer wieder Aufgaben unerledigt bleiben, dann ist das geplante Pensum wahrscheinlich zu groß. Aufgaben streichen, neu planen und ausprobieren, ob es so eher klappt. Sollte dann noch Zeit am Abend übrig bleiben – umso besser. Und bis dahin: fake it till you make it. Das muss ich mir manchmal ganz bewusst vornehmen. Ich merke, dass ich mich in einer Situation total gestresst fühle und versuche, zumindest nach außen hin ruhig zu bleiben. Das beruhigt vielleicht meine Kinder oder macht im besten Falle den Eindruck, ich sei ruhig. Tatsächlich führt es nicht selten dazu, dass ich merke, wie ich mich wenigstens ein wenig entspanne und die stressige Phase viel besser meisten kann.

Wir sehen uns von vielen Seiten mit Anforderungen konfrontiert. Ich beobachte oft, dass viele allen Anforderungen gerecht zu werden versuchen und sich so selbst umso mehr unter Druck setzen. Das wiederum erzeugt ein Gefühl von Unzufriedenheit oder sogar Unzulänglichkeit und macht unseren Weg durchs Leben noch anstrengender. Aber wir wissen alle nur zu gut, dass wir nur dieses eine Leben haben. Deshalb nehme ich mir für jeden Tag vor, zwischendurch kurz inne zu halten und zu überlegen, was mir heute besonders gut gelungen ist. Was mich froh macht. Welchen netten Leuten ich begegnet bin. Was mich zum Lachen gebracht hat. Wofür ich dankbar bin. Das nimmt die Schärfe aus der Betrachtung und weitet den Blick. Denn wir werden nicht vom Leben geführt, sondern jeder führt sein Leben selbst. Und ich finde, das machen wir eigentlich ziemlich gut, oder?

Wie sieht es in eurem Alltag aus? Habt ihr noch weitere Tipps? Und was lässt euch auch in stressigen Zeiten das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren?

Pippa

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